Ingeborg Boisen
Flensburg, meine Heimat. Segelschiffe, die im Hafen vertäut sind und auf dem Wasser vor sich hindümpeln oder unter vollen Segeln auf die Förde hinausgleiten. Eine Fußgängerzone, die mit ihren Passagen und der Vielzahl von Geschäften zum Bummeln einlädt. Die Straßencafés sind voller Leben – und mittendrin sitze ich.
Man kann hier die unterschiedlichsten Menschen beobachten. Lachende, Schwatzende. Einige hasten vorbei, voller Hektik. Sind Sie etwa auf der Flucht?
Ältere, die einfach nur verschnaufen wollen und sich einen Kaffee gönnen. Gruppen von Menschen, die sich wild gestikulierend unterhalten. Ein Streit?
Fremde Sprachen, die mir ans Ohr dringen, von Touristen, die sich die alten Häuser anschauen. Oder halten sie Ausschau nach offenen Fenstern?
Neben reizvollen Grünanlagen mit versteckten Wildwiesen und der Marienhölzung gibt es eine Vielzahl alter Kaufmannshöfe mit ihrem historischem Hintergrund sowie viele kleine Gassen und versteckte Pfade, die einen, verborgen vor den Blicken anderer, von einem Stadtteil ins andere führen. Perfekte Fluchtwege, die ich gerne entlang schlendere und mir ausmale, wie man hier eine Leiche verstecken kann.
Hinter mancher Sackgasse erschließt sich ein verstecktes Grundstück, kaum einsehbar. Aber findet man dort tatsächlich die Idylle?
Sind die Einkaufspassagen in der Stadt und den Außenbezirken wirklich ausschließlich zum gemütlichen Einkaufen geeignet? Oder möchte einfach nur jemand in der Menge untertauchen?
Eine Stadt, voller kulturellem Leben, die pulsiert, wächst. In der es vorangeht, sich etwas Neues, etwas Großes entwickelt. Oder trügt der Schein?
Ich liebe es, die Menschen in meiner Stadt zu beobachten und sie in kleine Abenteuer zu stürzen, die sicher nicht immer zu ihrem Besten sind. Aber es soll ja auch nicht langweilig werden, hier im hohen Norden, und Flensburg bietet einem alles, was man dafür braucht.
Ingeborg Boisen wurde 1967 in Flensburg geboren, wo sie noch heute mit ihrer Familie lebt. Vor einigen Jahren entdeckte sie das Schreiben als geliebtes Hobby.
Angefangen hat es mit kleinen Geschichten für Kinder. Über das Autorenforum der Edition Geschichtenweber wurde sie Mitglied im SEK-Mordlust. Die Kurzgeschichtensammlung „Mord in jeder Beziehung“ war ihr Erstling und bei der zweiten Krimisammlung Killer, Köter Kleinstadtpaten ist sie mit ihrem Krimi „Recherche Hautnah“ vertreten.
In der Ausgabe Nr. 124 des Onlinemagazins Terracom wurde ihre Kurzgeschichte „Ungewolltes Erbe“, ein Krimi mit phantastischen Elementen, veröffentlicht.